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OBELISCO / KONZERT FÜR ORCHESTER

BALLETT AM RHEIN DÜSSELDORF DUISBURG

Opernhaus

BALLETT AM RHEIN DÜSSELDORF DUISBURG
OBELISCO / KONZERT FÜR ORCHESTER
Choreografien Martin Schläpfer
Musik Marla Glen, Salvatore Sciarrino, Franz Schubert, Domenico Scarlatti, Wolfgang Amadé Mozart, Giacinto Scelsi, Richard Heuberger und Witold Lutosławski
40 Tänzerinnen und Tänzer


Mit zwei Arbeiten von Martin Schläpfer gastiert das BALLETT AM RHEIN Düsseldorf Duisburg erneut im Bonner Opernhaus. Der Schweizer Choreograf Martin Schläpfer ist hoch dekoriert. Die Fachzeitschrift „tanz“ kürte ihn 2010 zum „Choreografen des Jahres“ und sein seit 2009/10 an der Deutschen Oper am Rhein beheimatetes Ensemble gleich dreimal hintereinander in den Jahren 2013, 2014 und 2015 zur „Besten Kompanie“. Zuvor hatte er zehn Jahre lang das von ihm neu formierte ballettmainz geleitet und es in die erste Reihe der deutschen Ballettensembles geführt. Schon mit ballettmainz war Martin Schläpfer bei den HIGHLIGHTS DES INTERNATIONEN TANZES in Bonn zu Gast.

OBELISCO ist ein Ballett voller Poesie und nächtlicher Schönheit. Sieben Bilder lässt Martin Schläpfer in seiner 2007 entstandenen Choreografie wie unterschiedliche Planeten in einem traumverlorenen Universum um eine Mittelachse kreisen. Zur Musik so unterschiedlicher Komponisten wie den amerikanischen Sängerinnen Marla Glen, dem italienischen Klangarchäologen Salvatore Sciarrino und seinem mystischen Landsmann Giacinto Scelsi, aber auch Domenico Scarlatti, Wolfgang Amadé Mozart, Franz Schubert und Richard Heuberger lotet er unterschiedlichste Energiefelder aus, lässt seine Tänzerinnen und Tänzer barfuß, in Schläppchen, auf Spitze und in High Heels den Boden erforschen oder sich schwebend über diesen hinweg erheben. Ein Lied Franz Schuberts auf einen Text des fränkischen Dichters Friedrich Rückert steht im Zentrum des Stückes: „Du bist die Ruh, der Friede mild, die Sehnsucht du und was sie stillt“, dichtete dieser und inspirierte den Wiener Komponisten zu einem der Welt abhandengekommenen Singen. Musik, in deren milder Schönheit sich Traurigkeit eingewohnt hat, und die Martin Schläpfer zu einem eindringlichen Solo zwischen Liebe und Tod voller sehnsüchtiger Emphase, Kraft und zugleich Zerbrechlichkeit inspirierte. Wenn dagegen zwei Tänzer zu der berühmten Nummer „Geh’n wir ins Chambre separée“ aus Richard Heubergers Operette „Der Opernball“ – der karnevaleske Versuch eines Kammermädchens, im sicheren Versteck der Maskerade seinen Herrn zu verführen – sich zu einem Pas de deux vereinen, wird daraus eine Gratwanderung zwischen fragilem Seelenton und hinreißender Komik.

Mit seinem „Streichquartett“ zu Witold Lutosławskis gleichnamigem Werk tauchte Martin Schläpfer 2005 mit dem ballettmainz erstmals in die Musik des Warschauer Komponisten ein und wurde dafür mit dem Prix Benois de la Danse ausgezeichnet. Für sein im Oktober 2016 mit dem gesamten Ensemble des Balletts am Rhein uraufgeführten Konzert für Orchester wählte er nun das berühmteste Orchesterwerk des polnischen Komponisten und schuf ein zutiefst berührendes und unter die Haut gehendes Stück über eine Welt, die aus den Angeln gehoben ist. Seine Bewegungssprache durchzieht eine unermessliche Spannung und Kraft: Sprünge, die sich scheinbar nicht vom Boden heben dürfen, Spitzentanz, wie mit Spatenstichen die Erde aufbrechend, ekstatisch schüttelnde Anklänge an archaische Rituale. Immer wieder formiert sich das Ensemble zu großen Gruppen, rastlos vorwärtsdrängend – und findet dann doch wieder zu einer geradezu übersinnlichen Schönheit. „Man staunt über Schläpfers Fantasie, die keine Wiederholung zulässt. Radikaler ist er geworden, noch dramatischer und vor allem theatraler“, schrieb Bettina Trouwborst im K.West-Magazin über die Uraufführung. Und Natali Kurth urteilte auf SWR2: „Man erkennt in dem künstlerischen Direktor des Balletts am Rhein einmal mehr den sehr genauen Beobachter der heutigen Zeit. (...) Es würde verwundern, wenn nicht auch ‚Konzert für Orchester‘ preisverdächtig ist.“

Martin Schläpfer studierte Ballett bei Marianne Fuchs in St. Gallen und an der Royal Ballet School in London. Zu seinen wichtigsten Lehrern gehören Maryon Lane, Terry Westmoreland, David Howard, Gelsey Kirkland und Peter Appel. 1977 gewann er beim Prix de Lausanne den Preis für den besten Schweizer und wurde von Heinz Spoerli ins Basler Ballett engagiert, wo er schnell zu einem der charismatischsten Solisten avancierte. In zehn Jahren verließ er das Basler Ballett nur für eine Spielzeit, um ein Engagement beim Royal Winnipeg Ballet in Kanada anzunehmen. 1994 wurde er als Direktor zum Berner Ballett berufen. Von 1999 bis 2009 leitete Martin Schläpfer das ballettmainz, das unter seiner Direktion in die erste Reihe der deutschen Ballettcompagnien aufrückte. 2009/10 übernahm er als Direktor und Chefchoreograf das Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg, das die internationale Kritikerumfrage der Zeitschrift tanz 2013, 2014 und 2015 als „Beste Kompanie“ auszeichnete. Neben den Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf und Theater Duisburg tritt die Compagnie regelmäßig bei Gastspielen im In- und Ausland sowie bei internationalen Festivals auf. Zur Spielzeit 2016/17 gab Martin Schläpfer den Direktorenposten des Balletts am Rhein an Remus Şucheană weiter, bleibt der Compagnie aber als Künstlerischer Direktor und Chefchoreograf weiterhin erhalten.

In über 60 Werken, von denen mehrere auch von den Sendern ZDF, 3sat, arte, WDR und SWR fürs Fernsehen aufgezeichnet wurden, hat Martin Schläpfer seinen choreografischen Stil zu einer unverwechselbaren zeitgenössischen Ballettkunst verdichtet. Mit Jean-Philippe Rameaus Castor et Pollux präsentierte er an der Deutschen Oper am Rhein 2012 seine erste Opernregie. Uraufführungen entstanden auch für das Bayerische Staatsballett München und Het Nationale Ballet Amsterdam. Das Ballett Zürich zeigte 2014 sein FORELLENQUINTETT, die BallettCompagnie Oldenburg 2016 RAMIFICATIONS und QUARTZ. Nachdem Martin Schläpfer 2012 bereits für den Pas de deux THE OLD MAN AND ME als Tänzer auf die Bühne zurückgekehrt war, kreierte Hans van Manen mit ALLTAG 2014 erstmals eine Uraufführung für ihn als Solisten.

www.ballettamrhein.de

 

 

 

Aufführungsdauer: 1 Stunde, 45 Minuten inklusive einer Pause

Besetzung