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"Alles ist Performance"

Wohin mit der antrainierten Freundlichkeit, wenn keine Kunden kommen? In NO NO NO geht es um einen Supermarkt und die Tücken des amerikanischen Traums. Vor der Uraufführung haben wir mit dem irischen Regisseur Gavin Quinn darüber gesprochen.

Mit PAN PAN THEATRE hast Du von den USA bis nach Südkorea auf der halben Welt inszeniert. Wie funktioniert das in so vielen Ländern mit so vielen unterschiedlichen Sprachen?

Gavin Quinn: Grundsätzlich sind Theater und Performance universelle Sprachen für sich. Da gibt es schon ein einheitliches Verständnis, sowohl für Publikum als auch für MacherInnen. Eine klare Übersetzung des Texts selbst ist ein Weg, das Stück fassbar zu machen. Jede Kultur hat aber auch ihren ganz eigenen emotionalen wie psychologischen Zugang und damit auch eine ganz eigene Interpretation. Das hält unsere Arbeit stets lebendig und in der Gegenwart. Alles, was vom Normalen abweicht, ist wertvoll. Dadurch, dass man in einer fremden Sprache arbeitet, verschiebt sich der Fokus in der Regiearbeit oft auf Aspekte wie Licht, Bewegungen, Bilder, die Performance.

Am Theater Bonn bist Du mit dem PAN PAN THEATRE nun bereits zum dritten Male. Was ist aus Sicht eines ausländischen Regisseurs anders in Deutschland?

In anderen Ländern arbeitet man oft mit Freelancern, hier gibt es ein festes Ensemble. Das bedeutet, dass man direkt beginnen kann ohne eine Gruppendynamik aufbauen zu müssen, weil diese in einem Ensemble-Theater bereits existiert. Der große Vorteil am Stadttheatersystem ist, dass alles, was man benötigt, direkt zur Hand ist. SchneiderInnen, Maske, Bühnenbau, Beleuchtung und der große Requisitenfundus. Wir wissen unsere Ideen und Konzepte hier immer in besten Händen.

Worum geht es bei Deiner neuesten Inszenierung NO NO NO?

Wir hinterfragen die Idee des amerikanischen Traums und schauen auf eine Zukunft, die nur noch absurd wirkt. Droht unsere Gesellschaft zu kollabieren? Was ist aus dem Traum geworden, dass wir alle in Freiheit leben und alles erreichen können, wenn wir nur hart genug arbeiten? Das Stück ist aber weder Story noch Dokumentation – es entwickelte sich aus einem Prozess, einer Recherche im Innen- und Außenleben von vier Charakteren in einem Supermarkt. Alles ist Performance.

Wie seid ihr denn auf den Proben vorgegangen?

Normalerweise hat man erst den Text und entwickelt daraus Bilder für die Inszenierung. Unsere Herangehensweise war genau umgekehrt: Auf den Proben haben wir gemeinsam mit den SpielerInnen aus diesen Chiffren die Performance und einen großen Teil des Textes entwickelt. Dafür haben wir die vier Figuren ebenso wie die vier Schauspieler selbst untersucht. Die Charaktere befassen sich dabei nicht nur mit unserem urbanen Lebensstil, sondern auch mit dem, was dahintersteckt. Und begegnen ihnen natürlich mit rabenschwarzem Humor.

Uraufführung von NO NO NO ist am Donnerstag, 12.April 2018, auf der Werkstatt-Bühne des Theater Bonn. Eintrittskarten, weitere Termine und noch mehr Informationen zum Stück gibt es HIER.

Das Gespräch führte Elisa Hempel.